Brettacher

Historie: Wenn früher im Herbst, nach dem "Mosten", die Trester nichts mehr hergaben, hat man sie in einer Ecke des Bauernhofes, in der Nähe des Misthaufens, am Rande einer Baumwiese, an einem Rain, auf einem Stück nicht genutzten Acker- oder Wiesengrundes, am Rande eines Feldweges oder im Bereich der Weinberge abgelagert. Auf diesen Tresterhaufen keimten dann die Apfelkerne aus. Die Obstbauern schulten jedes Jahr ca. 5 bis 10 solcher 5 cm hoher Jährlinge in die Weinberge aus. Wenn die Wildlinge nach ein paar Jahren ca. 1 m hoch waren, wurden sie veredelt und in die Obstgrundstücke gepflanzt. Im Jahre 1911 bat man den hiesigen Baumwart KARL ZORN in den Weinberg des Bauern Feinauer (Schlößle). Dort sollte er einige Sämlinge beurteilen und evtl. veredeln. Apfelbaumwildlinge haben normalerweise kleine Blätter und Stacheln. Unveredelte Apfelbäume liefern ungenießbare, harte Holzäpfel. Unter den 5 Sämlingen wuchs einer mit besonders großem, kräftigem Laub und ohne Stacheln heran. Karl Zorn empfahl nun, diesen kleinen Außenseiter nicht zu veredeln. Er meinte, er wolle ihn noch einige Zeit beobachten. Dieser Zufallssämling durfte zusammen mit den "Veredelten" in einem Obstgrundstück im Gewann "Kreuzgraben" heranwachsen. Die damalige Baumwiese liegt ein paar hundert Meter außerhalb des Dorfes etwas erhöht an der Straße nach Langenbeutingen. Um 1920 konnte Karl Zorn die ersten großen "wilden" Äpfel bewundern. Der Kreisobstbauinspektor wurde gerufen und mußte das wahrscheinlich unverhoffte Ergebnis beurteilen. Man erkannte sofort die Qualität und die Marktchancen dieses großen Apfels. Deshalb mußte das "Kind" einen Namen bekommen. Vorgeschlagen wurde zunächst die Bezeichnung "Brettacher Rambour", aber gleich wieder verworfen, da unter diesem Namen Tafelobst nicht verkäuflich gewesen wäre. Man einigte sich auf den Namen "Brettacher" oder "Brettacher Sämling".
Ernten: Mitte Oktober
Genußreife: Januar bis Mai
Frucht: großer, plattrunder, grüngelber Tafelapfel mit braunroter Backe. Im Aussehen und Geschmack dem ´Ontario´ ähnlich.
Baum: sehr robust gegen Krankheiten und Schädlinge; sehr frosthart; geringer Schnittaufwand; bei nährstoffreichen Böden bis in Höhenlagen von 600 m geeignet.